08.10.2019

Schwupps, schon wieder ist fast ein Monat um. Heute kam eine E-Mail von meinem Freund Axel rein mit der Frage, wo ich denn jetzt schreiben würde. Auf herrwache.de hätte er nichts Aktuelles gefunden. Irgendwie war der letzte Monat unfassbar voll (und geil!). Ich hätte schwören können, dass mein letzter Blogartikel bestenfalls eine Woche zurückliegt. Wenn ihr also mehr von mir lesen wollt: einfach Druck auf den Autor ausüben. Am besten auf Facebook, Autorenschelte in den sozialen Medien dürfte am wirkungsvollsten sein.

Am 22. März war Sabine das nächste Mal in Berlin. Wir haben uns in einem Hotel in Tegel eingemietet und sind erst mal lecker essen gegangen. Wie schon erwähnt, essen hilft immer. Im Hotel zurück haben wir weitere Erfahrungen mit unserer Sexualität als Liebespaar gesammelt. Vorsichtig und behutsam. Mein Körper hat erste zarte Anzeichen durchblicken lassen, dass ich auf dem Weg war, meine Manneskraft zurückzugewinnen, was nach Monaten der Impotenz unbeschreiblich war für mich. Irgendwann in der Nacht saßen wir uns nackt im Bett gegenüber und ich spürte, dass der Moment gekommen war, DIE Frage zu stellen. Auf der einen Seite hat mein Herz geklopft wie wild, auf der anderen Seite war ich vollkommen ruhig als ich sie gefragt habe „willst du meine Frau werden?“ Sie hat mich mit einem ganz besonderen Blick angesehen und einfach nur „ja“ gesagt.

Dann hat sie gelacht, tief aus dem Herzen und mir gesagt: „ich wusste schon am Montag, dass du mich am Wochenende fragen wirst. Das habe ich einer Freundin erzählt und habe ihr auch gesagt, dass ich ja sagen werde.“ Das Leben mit einer hellsinnigen Frau bietet vielschichtige und spannende Aspekte. Sieben Wochen zwischen dem aller ersten Kennenlernen und der Frage „willst du meine Frau werden“ erscheinen auf der einen Seite sehr schnell, auf der anderen Seite ist es einfach nur klar und folgerichtig, wenn die Gefühle so eindeutig sind. Wir bringen beide jeweils zwei Scheidungen mit und die Erlebnisse aus unseren Vor-Ehen wären eine wunderbare Grundlage, um eine ganze Serie von Beziehungsromanen mit jeweils mehreren 100 Seiten zu schreiben. Wenn du mit diesem Erfahrungsschatz ausgestattet bist, gibt es eigentlich nur zwei Varianten. Die eine ist: ich will nie wieder so verletzt werden, ich will nie wieder einem anderen Menschen gestatten, mich so zu beherrschen oder du wählst die andere Variante. Etwas, was für mich inzwischen eine mögliche Definition des inflationsartig gebrauchten Begriffs der bedingungslosen Liebe ist. Du entscheidest dich ganz bewusst für die Möglichkeit(!) des maximalen Schmerzes. Wie gesagt, nur für die Möglichkeit, weil du weißt, dass du ohne das Risiko des maximalen Schmerzes keine Chance hast, das maximale Glück zu erleben. Wenn du dich nach sieben Wochen schon an diesem Punkt befindest und dein Herz ganz ruhig bleibt, wenn du dir die Frage stellst ob du fragen sollst, dann weißt du, dass es richtig ist und dann spielt Zeit keine Rolle. Ich habe irgendwann mal auf einer Postkarte den Spruch gelesen Älter werden ist nichts für Pussies. Irgendwie gilt das auch für das sich auf etwas einlassen. „Drum prüfe wer sich ewig bindet“ ist eben die Pussie-Variante.

Am 6. Mai waren wir wieder zusammen. Meine allerletzte Amtshandlung in Berlin, bevor ich meine große Reise angetreten habe, war der Besuch bei einer Schamanin. Zum Abschied sagte sie mir „…und wenn du wieder da bist, dann springst du ins Meer und wäscht das alles ab.“ Meine Erwiderung war „du weißt schon, dass ich im Januar wiederkomme?“ Diesen zarten Einwand hat sie mit einem energischen „Papperlapapp“ vom Tisch gewischt. Ich hatte also noch eine Rechnung mit der Ostsee offen. Gott sei Dank hatte ich Weltklasseausreden parat, weswegen es im Januar, Februar, März und April nicht klappen konnte mit dem Baden im Eiswasser. Am 6. Mai wollte ich meine Bringschuld mir selbst gegenüber begleichen und gleichzeitig meiner Frau einen meiner absoluten Lieblingsplätze auf diesem Planeten zeigen, die Hohe Düne in Warnemünde. Also haben wir uns am frühen Morgen in Berlin das Cabrio gegriffen und uns aufgemacht Richtung Norden. Die Frau ist gefahren. In Österreich gilt wie überall sonst eine Geschwindigkeitsbegrenzung auch auf Autobahnen. Wer die Strecke Richtung Rostock kennt, weiß, dass auf der A 19 kurz hinter dem Dreieck Wittstock die Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben ist.  Freies jagen ist dann angesagt. Ich habe noch nie erlebt, dass ein Mensch bei Vollgas solche Freude erfährt. Ich mein, volles Rohr fahren ist schon geil, doch die orgiastischen Geräusche vom Fahrersitz, lautes „ist das geil, geil, geil“ und das reine Glück im Gesicht waren schon eine andere Nummer…😉

Sie behauptet bis heute steif und fest, eine Spitzengeschwindigkeit von 240 km/h mit dem alten Zossen erreicht zu haben. Ich kann nichts dazu sagen. In den Momenten habe ich geschlafen, glaube aber zu wissen, dass ich mein Fahrzeug recht gut kenne und bin daher eher der Meinung, dass bei 220 km/h Feierabend ist. Vielleicht findet ein zarter Frauenfuß aber einen anderen Druckpunkt am Gaspedal. Nun denn…

Der Strand war menschenleer. Wenn du vorhast, was ich vorhatte, gibt es nur eins: fix oder nix. Also die Klamotten in Windeseile vom Körper reißen, im Sprint Richtung Wasser und dann mit schnellen, entschlossenen Schritten ins Wasser. 2018 war ich bei 16° Wassertemperatur anbaden und dachte, das ist kalt, sehr kalt. Wie man sich doch täuschen kann. Anfang Mai hatte die Ostsee bei der Hohen Düne stolze 8°. Das ist eine Temperatur, bei der die edlen Teile eines Mannes versuchen, aus eigenem Antrieb heraus das Körperinnere zu erreichen. Als ich bis zu den Brustwarzen drin war und böse nach Luft geschnappt habe, hat die Ostsee meinen weiteren Entscheidungsprozess drastisch abgekürzt und eine Welle über meinen Kopf schwappen lassen. Fertig, alles abgewaschen, schamanische Herausforderung bestanden. Ich bewege mich wieder aus dem Wasser heraus und sehe, wie auch Sabine dabei, blank zu ziehen.  Auf halbem Wege zwischen Wasser und Lagerplatz der Bekleidung begegnen wir uns. „Was du kannst, kann ich auch.“ Was diese Begegnung in mir an Gefühlen ausgelöst hat, kann ich bis heute nicht wirklich in Worte fassen, aber wenn deine Frau einen solchen Weg mit dir geht, dann weißt du als Mann: sie ist es! Es folgten spitze Schreie aus Richtung Wasser…

Als auch sie wieder draußen war, habe ich sie mit einem Handtuch umhüllt, abgerubbelt und wir haben uns gehalten, bibbernd, zitternd,  Zähne klappernd. Ein Moment tiefster Innigkeit verbunden mit dem Gefühl „wir gehören zusammen.“ Während wir so dastehen geht ein älteres Ehepaar, ganz sicher Einheimische, an der Wasserkante entlang und zollt uns seinen Respekt. Die Frau zeigt den nach oben gerichteten Daumen und der Mann lüftet seinen Hut. Eine wunderbare Geste für eine Aktion von zwei Verrückten. Nachdem wir uns wieder angezogen haben, sind wir über die Düne zurück zum Auto gegangen. Sabine links auf den Fahrersitz, ich rechts auf den Beifahrersitz. Motor an, Heizung und Sitzheizung auf volle Pulle und wohlige Wärme strömt in das Innere des Fahrzeugs. Ein solider Grauguss-V6 mit ordentlich Hubraum produziert eben auch sehr ordentlich Wärme. Irgendwann ist Sabine zu mir rüber gekrabbelt und hat sich auf mich drauf gekauert. Wir haben uns wieder gehalten und den Moment genossen. Wir tragen beide cover-up Tattoos. Wenn du nicht weißt was das ist: ein cover-up ist ein Tattoo über einem Tattoo, quasi überlackiert. Unter dem, was heute sichtbar ist, waren früher einmal Symbole aus unserer jeweils zweiten Ehe. Sie hat ihre Hand auf das meine gelegt, ich meine Hand auf das ihre. Dann haben wir unsere Liebe und die universelle Energie fließen lassen und die noch verbliebene Kraft der alten Symbole gelöscht. Besser kann ich es nicht in Worte fassen, so war es. Danach haben wir schamanisch geheiratet. Es war nicht geplant, es hat sich so ergeben, es fühlte sich richtig an und es fühlt sich auch heute noch richtig an. Sabine hat die Sätze gesprochen und zack, waren wir verheiratet.

Während der Vermählung ist der vorher wolkenverhangene Himmel aufgebrochen und die Sonne kam durch. Dann sind wir beide zur Beifahrerseite ausgestiegen. Diese Symbolik, dass wir von zwei Seiten in das Auto einsteigen, im Auto heiraten, gemeinsam zu einer Seite aus dem Auto aussteigen und die Sonne auf uns scheint, rührt mich heute noch zutiefst.

6 Gedanken zu „08.10.2019

  1. Thomas Marschner Antworten

    Einfach nur schön…ich überlege noch, ob ich meiner Frau deine Zeilen vorlese, aber soweit bin ich noch nicht, um auch nur Ansatzweise soviel Mut, Frieden, Liebe und Glück auf diese Art zu Teilen. Ganz ganz großes Leben!
    Ach und alles Gute zur Hochzeit! 😁.
    Große Männerumarmung aus Leipzig. Thomas

  2. Dirk Antworten

    Lieber Götz, ich beglückwünsche dich zu deinem Glück 😂😉🙏.
    Ich kann aber gut nachempfinden, wie es dir erging und geht, habe ich doch 2004 meine heutige Frau nach 3(!) Wochen um die Hand angehalte, obwohl ich bis zu unserer ersten Begegnung der Meinung war, heiraten ist sowas von 1900…🙄 😉
    Aber wie du so richtig schriebst: wenn die richtige (Frau / Mann) da ist, ergibt sich alles wie von selber.
    Ich wünsche dir, dass ihr ähnlich wie wir, glücklich zusammen alt werdet! 💪
    Herzlich, Dirk

    • GoetzWache2018 Autor des BeitragsAntworten

      Lieber Dirk, mit 3 Wochen bist DU der Rekordhalter…😂 und nun seit 15 Jahren glücklich. Wie geil!

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