Tag 19

Tag 19

Beim Frühstück mit einer Riesenportion Rührei und Mozzarella-Sticks habe ich mir 3 Tassen Cappuccino rein getan. War ich alter Espresso-Junkie gierig… Der Körper fand’s nicht lustig, aber da muss er durch. Soll ruhig merken, dass das gesunde Klosterleben ein Ende hat.

Der Taxifahrer hat 2 Kinder. Der Sohn lebt in Bremen und die Tochter in Ulm. Er sieht sie bestenfalls einmal im Jahr. Er sagt, sein Sohn fühlt sich inzwischen als Deutscher und hat seinem Vater einen Fan-Ring von Werder Bremen geschenkt, den der Vadder auch tatsächlich trägt. Mein Taxifahrer in Iasi, einer rumänischen Provinzstadt, trägt einen Fan-Ring von Werder Bremen. Mach ne Reise, dann erlebste was. Pater Constantin hat mir gestern im Kloster noch erzählt, dass 5 Millionen junge Rumänen über Westeuropa verteilt arbeiten und ihr Glück suchen. Bei bummelig 20 Millionen Rumänen ist das für mich unvorstellbar viel. Ob die Zahlen stimmen, lassen wir mal dahingestellt, es sind auf jeden Fall sehr viele. Constantin hält es für eine nationale Katastrophe und ich wollte vom Taxifahrer wissen, wie er es sieht, quasi als persönlich betroffener. Seine Antwort lautet sinngemäß „es ist wie es ist. Ob es für uns gut ist oder schlecht, werden wir erst in einigen Jahren im Rückblick feststellen.“ Du willst einfach nur zum Flughafen und landest bei einem weisen Mann im Auto.

Im Flieger habe ich neben einem Deutschen gesessen, der seit mehr als 40 Jahren für Bosch arbeitet. Er hat das Rentenalter längst erreicht, will aber aus Spaß an der Freude weiter arbeiten und Bosch lässt ihn. Im Augenblick richtet er gerade mit seiner philippinischen Frau seinen neuen Lebensmittelpunkt in Athen ein. Er hat für Bosch in 98 Ländern dieser Erde gearbeitet. Ich wäre gerne noch länger geflogen. Der Mann sollte ein Buch schreiben!

  • 1. Erfahrung in Bukarest: es gibt 4 Ramada Plaza Hotels, die über die Stadt verteilt sind.
  • 2. Erfahrung in Bukarest: die Taxifahrer können die Adresse im Kalender deines Handys nicht entziffern, weil der Arm zu kurz ist. Aber Taxifahren wie bei der Rennfahrerprüfung.

Das Zimmer ist sehr ordentlicher Business-Hotel-Standard. Das spirituelle im Kloster ist das eine, nach drei Wochen ist ein schönes Zimmer das andere.

 

  • 3. Erfahrung in Bukarest: jede Ecke des Hotels ist sehr gut geheizt. Nach drei Wochen Klosterkälte stellt der Körper spontan auf Transpiration um.

Nach einem kurzen Mittagsschläfchen ab zur Shopping-Mall meiner Wahl, Einkäufe tätigen. Bei allem was wir an Google und der ständigen Präsens von Handys in unserem Leben auszusetzen haben, es ist schon geil, sich in einem fremden Land in einer fremden Stadt ratz fatz von den nächstgelegenen Malls die am besten bewertete raussuchen zu können.

 

Shopping-Mall ist auch so ein ambivalentes Ding. Sie zerstören die Einkaufskultur der jeweiligen Stadt, die historisch gewachsenen Innenstädte und den Einzelhandel und kennst Du eine, kennst Du alle. Von Größe und Prunk einmal abgesehen, sind alle gleich. Aber ich brauche eine Badehose, Trinkwasser, frisches Bargeld, was zu essen und einen Espresso in ordentlicher Qualität und habe keinen Bock, mir ’nen Wolf zu suchen. Tja…

Badebüx bei InterSport, Wasser bei dm, Bargeld beim Geldautomaten von ING-Diba, eine Pizza-Speciale aus dem Steinbackofen mit Buchenfeuer (sehr lecker und authentisch) und dazu ein Heineken aus der Dose. Das hat gezischt.

Weihnachtsdeko satt, heute war Gesichter bemalen für die Kleinsten, Pre-Christmas-Sale bis -70% und während ich erst gewartet und dann gegessen habe, lief 4(!) mal Jingle-Bells in einer modernen Version über die Center-Beschallung. I’ll kill that DJ. Andererseits ist alles so vertraut, dass es auch wieder was hat. Ich wusste sogar, wo die Toiletten sind, ohne sie gesucht zu haben. Führt die Realisierung des großen Traums vom Weltbürgertum durch die Gänge einer Shopping-Mall?

 

Deutsche Spezialitäten gibt’s auch: Currywurst, Thüringer, Wiener Schnitzel mit Kartoffelbrei und Krustenbraten, frisch vom Stück geschnitten. Das fehlt mir noch, ne Curry in Bukarest.

Man beachte den Hinweis auf das traditionelle… 🙂

Was guten Kaffee betrifft, habe ich die Fähigkeiten eines Trüffel-Schweins. So bin ich vor dem Heimweg noch in der Kaffee-Manufaktur eingekehrt. Die sind gut da, wirklich gut. Sie rösten nicht in einer Trommel, sondern mit Heißluft in einem Glasbehälter. Kenne ich aus dem Coffee-Star in der Müllerstraße im Wedding (Trüffel-Schwein, you know). Hier haben sie die Sache auf die Spitze getrieben und vier solche Röster zu einer Konstruktion zusammengefasst. Jeder Röster enthält die Rohware einer der vier Hausmischungen. Indien, Äthiopien, Indonesien und Costa Rica. Wenn Du also etwas Zeit mitbringst, werden Dir Deine 250 Gramm oder wie viel auch immer vor Deinen Augen geröstet und gemahlen oder als ganze Bohnen abgepackt. Frischer geht es definitiv nicht. Das Kaffee erst ca. eine Woche nach dem Rösten das optimale Aroma entwickelt, lassen wir mal außer Acht. Cool ist es allemal. Die Bilder dazu habe ich Euch in die Galerie geladen.

  • 4. Erfahrung in Bukarest: der Heizungsregler in Bukarester Taxis kennt nur eine Stellung, volle Kanne.
  • 5. Erfahrung in Bukarest: ein Dacia Logan, der im Taxibetrieb auf löchrigen Straßen 535.000 Km gesammelt hat, erinnert Dich daran, dass Du an Gott glaubst. Heiligs Blechle, ich wusste nicht, dass sowas technisch möglich ist.

Zum Thema Pool in meinem Hotel: das ist kein Pool zum Plantschen, das ist ein Schwimmbecken.

 

Meine letzte Beobachtung des Tages. In Frankreich läuft z.Zt. die Europameisterschaft der Damen im Handball. Heute spielte Rumänien gegen Tschechien und hat knapp gewonnen. Ich wäre mir nicht sicher, ob so ein Ereignis im deutschen Fernsehen live und in voller Länge übertragen würde. Wenn ja, wäre noch die Frage, ob es eingeschaltet werden würde, wenn diverse Sportsender zur Verfügung stehen. Im Barbereich neben der Lobby hängt ein Fernseher, wo das Spiel lief und alle männlichen Servicekräfte haben interessiert zugeschaut, wenn sie nicht gerade Gäste bedient haben. Männer in Rumänien schauen Damenhandball.

4 Gedanken zu „Tag 19

  1. Irina

    Ich lese seit dem ersten Tag gespannt mit bin tief beeindruckt.
    Ganz liebe Grüße

    • GoetzWache2018 Autor des Beitrags

      Danke, Lob aus berufenem Munde.
      Grüße zurück aus Avsallar

  2. Dorothea

    Das mit mit dem Dacia ist wirklich nicht zu glauben…….

Die Kommentare sind geschlossen.