Tag 30

Tag 30

Heute vor einem Monat bin ich in Hamburg ins Flugzeug gestiegen. Vielleicht war dieser Tag deswegen so besonders. Bin gegen 00:30 Uhr aufgewacht, weil mein linkes Ohr wahnsinnig gejuckt hat. Seit meinem Anbaden am Samstag kämpft mein linkes Ohr mit einer Entzündung im Gehörgang. Gestern habe ich mir in einer Apotheke Tropfen geholt. Leider haben die Tropfen wie Dünger für die Entzündung gewirkt. Druck, Hitze, Aua… und nun auch noch Jucken, durch einen Mückenstich! Die letzte Mücke im türkischen Winter verirrt sich in mein Schlafzimmer und von der zur Verfügung stehenden Gesamtfläche von ca. 2 Quadratmetern Haut wählt dieses Drecksvieh ausgerechnet das linke Ohr. Wenn du aus dem Tiefschlaf kommst, dauert es eine Weile, bis du die Zusammenhänge zuordnen kannst. Sofort erwachen aber die Jagdinstinkte und mit irrem Blick und dem schlagbereitem T-Shirt in der Hand wird das Schlafzimmer abgesucht. Einmal kann der Übertäter knapp entkommen, doch beim zweiten Anlauf bezahlt sie ihre Freveltat. Glücklicherweise erwische ich sie auf der lackierten Tür, wo sie sich zusammen mit den Resten meines (!) Blutes leicht abwischen lässt.

Wenn ich schon mal wach bin, kann ich auch das Handy aktivieren und schauen, wie sich der BVB in Monaco geschlagen hat. 0:2, Auswärtssieg in der Champions League und Gruppenerster. Läuft.

Mein Freund Uwe aus Rostock hat noch was per WhatsApp geschickt, was ich mir auch noch fix anschaue. Bin ja wach. Kommentiere das Empfangene und bekomme sofort Antwort. Dann können wir auch noch schnell per WhatsApp telefonieren. Wir erörtern lokale und weltpolitische Ereignisse und kommen irgendwann irgendwie darauf, dass ich nach dem Ende meiner Reise keine Wohnung und keine Aufträge, sprich keine Einkünfte haben werde. Als wir nach 35 Minuten Schnacken auflegen, finde ich nicht mehr in den Schlaf. Die Existenzängste haben den Weg in die Freiheit gefunden und toben sich in meinem Kopf und meinem Bauch aus. Mist, Mist, Mist. Aber wie das so ist, irgendwann pennt man ja doch darüber ein.

Beim Aufwachen erfolgt allerdings die nahtlose, gedankliche Fortführung. Ist das was Menschliches, was Deutsches oder bin ich einfach ganz allein so bekloppt, dass ich mir immer wieder Sorgen auf dem Gefühlsniveau von „ich bin in meiner grundsätzlichen Existenz bedroht“ mache? Existenzsorgen, Ohrenschmerzen und das Gefühl einer aufkommenden Erkältung. Super Kombi. Dafür brauch ich nicht verreisen. Wie immer erfolgt der Beschluss „erst mal was praktisches“, also wasche ich Wäsche und fege die Bude durch. Beim Aufhängen der Wäsche auf dem Balkon fühlen sich auf mal meine Füße so komisch an. Ich stehe in einer Pfütze vom gestrigen Wolkenbruch und die Filzsohlen meiner Puschen wären dann soweit mit Wasser gesättigt. Ne, nä…

Ab ins Café, Gedanken machen. Gelingt nicht so recht, die nahende Erkältung und das Ohr nehmen den größten Teil des Kopfes für sich ein, da bleibt für Gedanken wenig Raum. Na gut, dann kann ich wenigstens was leckeres Essen. Das gelingt perfekt! Auf der Pirsch nach einem neuen Versorger stoße ich auf eine Mahlzeit, die meine Ansprüche aufs Beste befriedigt.

Heißt Fleischspieß. Vorspeise ist schon gegessen. Lecker.

 

Während ich gerade genieße, fährt an meinem Tisch ein türkischer Behinderter mit seinem Elektrorollstuhl auf dem breiten Bürgersteig vorbei. Er gibt lallende Laute von sich und seine Körperhaltung ist nur mit dem Wort „grotesk“ richtig beschrieben. Ein einziger Krampf. Den Joystick seines AOK-Choppers bedient er mit dem rechten Fuß. Das macht er wohl schon eine Weile, auf jeden Fall ist es virtuos. Schlagartig zerbröseln meine Probleme. Bisschen Schnuppen, bisschen Ohr-Aua und ein bis zwei Fragen, auf die ich jetzt und hier keine Antwort habe. Pffft…  Es ist wieder wie im Kloster, das Universum antwortet fix. Man muss nur zuhören.

Auf dem Weg nach Hause am Strand lang. Ich entdecke ein interessantes Motiv und trete für den optimalen Blick näher ran. Jetzt fühlt sich nur mein rechter Fuß komisch an, was daran liegt, das ich dieses Mal in einer knöcheltiefen Pfütze stehe. Wenn mir das Universum mit meinen nassen Füßen was sagen will: Alter ey, ick versteh‘s nich, wa…

 

 

Zuhause unter die heiße Dusche, die dicken Socken an (klar, alles andere ist noch nass…), ein Bier auf den Tisch und diese Zeilen schreiben. Wenn der Blog fertig ist, ziehe ich mir ein Video rein und das zweite Bier. Das mit dem „was-mache-ich-nach-der-Reise“ gehe ich in den nächsten Wochen noch an. Erstmal das Unbewusste auf Lösung programmieren.

Wenn ich dann nachher schlafe, bekomme ich von Ines aus Berlin eine Fernbalance nach dem Body-Talk-System. Nach meinen langjährigen Erfahrungen mit sowas hilft das meinen Selbstheilungskräften doch sehr auf die Sprünge. Energie kennt weder Zeit noch Raum! Da spielen die 2.976 Km zwischen ihr und mir überhaupt keine Rolle. Wenn ihr Anhänger der  „ich-glaube-nur-was-ich-sehe-und-Antibiotika-kann-ich-sehen“ Fraktion jetzt die Augen verdreht: da müsst Ihr durch.

Die anderen brauchen gar nicht erst Google bemühen und können sich direkt auf www.ines-gerecht.de schlau machen. So viel Service muss schon sein.

 

5 Gedanken zu „Tag 30

  1. Ines Antworten

    :-)… Frau Spooky sagt Danke… und morgen schau ich noch mal nach, ob dein System akut noch was braucht für die Erkältung..all inclusve ;-))) Machste bitte ne Runde Cortexe und Körperchemie…

  2. Roolf Antworten

    ich kann’s nicht lassen….
    Lieber Götz magst du eine Ferndiagnose verbunden mit der Kernlösung für das Linke Ohr?
    dann erfährst du wofür die Ohrenschmerzen stehen und kannst sie dir wegdenken
    Dein Roolf

  3. Jörg Heinicke Antworten

    Das Ding mit der Existenzangst, kennt jeder Selbständige.
    Ich bin dabei.
    Die Kunst ist es, sie ausblenden zu können, um handlungsfähig zu bleiben.
    Gruß
    Jörg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.