Tag 33

Tag 33

Ich habe heute auf die Bremse getreten. Zur rechten Zeit, denn mir ist gestern klar geworden, dass ich mich hier wieder verloren hatte. Nicht ganz, sonst wäre es mir ja nicht aufgefallen, aber doch ziemlich. Im Kloster hatte ich nur mich, da war ich bei mir. Hier habe ich jede Menge Ablenkung, die mich von mir weg geführt hat. Von Innen wieder ins Außen. Die Geräusche der Umwelt, gegen die ich außer im Haus zu bleiben und die Fenster geschlossen zu halten nichts unternehmen kann. Der Teil ist, wie er ist. Aber die mp3-Musik aus dem Bluetooth-Lautsprecher zum Frühstück, das E-Mails-Checken, die Nachrichten-Portale und die schöne bunte Welt der Social-Media kann ich beeinflussen. Im Kloster hatte ich einmal am Tag nach 20 Uhr für ungefähr eine halbe Stunde überhaupt die Chance, etwas in den Blog hochzuladen. Danach ist die Verbindung zusammengebrochen, warum auch immer. Hat mir was gefehlt? War ich unglücklich? Ist die Welt untergegangen? Warum, verdammte Sch… schaue ich hier dann wieder alle paar Minuten nach, ob irgendwas passiert ist? Das schreit nach einer neuen Strategie im Umgang mit der mobilen Technik. Social-Media-Detox, ich weiß nur noch nicht genau wie, doch ich will mich von der Technik in meiner Hosentasche nicht fremdbestimmen lassen.

Ich bin noch nicht durch mit meinen inneren Prozessen. Nach gestern ist das klar. Weit gekommen, doch noch ein gutes Stück zu gehen. Es gibt Dinge und Menschen im Außen, die mich mehr beeinflussen und mehr Macht über mich haben, als mir gut tut und vor allem, als ich will. Wie war das? In der sauberen Definition des Problems liegt bereits die Hälfte der Lösung? Ist wohl so. Nach dem Frühstück bin ich wie im Kloster einfach sitzen geblieben. Habe in mich gehorcht und in mich gefühlt. Ja, bin auch wieder kurz eingeratzt, aber nur kurz! 🙂 Die Bilder und Gefühle waren gleich wieder eindeutig, Gott fackelt anscheinend nicht lange, wenn man bereit ist. „Ist der Schüler bereit, erscheint der Lehrer.“ Keine Ahnung, wo ich den wieder aufgesammelt habe, passt aber gerade.

Ich habe den nächsten Abschiedsbrief geschrieben. Es gibt doch viel mehr unausgesprochenes, ungeklärtes und unverziehenes in meinem Leben, als ich gedacht habe. Als ich fertig war, war auch klar, welcher Brief an wen als nächstes dran ist. Bei dem, was zwischen ihr und mir war, ist ein Sonntag ein angemessener Tag für die Aufarbeitung.

In Ruhe und Frieden an den Strand gegangen und ein friedliches Meer vorgefunden. Ich zeige Euch hier 2 Videos. Das zweite, das untere ist knapp 4 Minuten lang und es passiert nichts. Genau das hat mir heute so gut getan. Für mich selbst habe ich unter das Video noch den Song „Nothing’s happening by the sea“ von Chris Rea gelegt. Gibt’s im Download für 1,27 € und ist dann die perfekte Kurzreise ans Meer. Wie eine warme Decke für Herz und Seele. (Kann ich Euch hier leider nicht zur Verfügung stellen, das gäbe urheberrechtsmäßig böse was auf die Finger.)

Dann habe ich noch den perfekten Platz zum bei mir und mit mir sein gefunden. Tee gibt es dort auch noch. Sitzen, schauen, fühlen, nach innen hören. Ab und zu ein Schluck Tee.

Der perfekte Platz zum Sein.

Hat leider nicht lange gehalten. Nach 15 Minuten haben sich zwei deutsche Rentner ohne zu fragen einfach ins Bild gesetzt und ihr Picknick ausgepackt.  „Ich habe 45 Jahre eingezahlt, jetzt sitze ich wo ich will.“ Hat keiner gesagt, habe ich mir gedacht. Auf jeden Fall geht Höflichkeit anders. Süß.

Ohne Worte

Apropos Rentner: woran erkennt man den deutschen Rentner am Strand von Avsallar? Er trägt zur Badehose die Armbanduhr mit Metallgliederarmband. Habe es jetzt zig-mal beobachtet, es ist empirisch abgesichert. Ein Knaller!

Danach war der Wochenendeinkauf dran. Auf dem Weg vom Strand in die Innenstadt noch einen netten Hund mit seiner bayerischen Halterin getroffen und die Rose am Wegesrand. Es ist gut, mit offenen Augen langsam zu gehen.

Mitten im Gewusel blüht eine Rose

 

Blumen sind das Lächeln der Natur. Es geht auch ohne sie, aber nicht so gut.   Max Reger 1873 – 1916

Am Ende des Tages auch noch das Arbeitsbuch zum inneren Kind von Stefanie Stahl wieder hervorgeholt und weiter gearbeitet. Hatte im Kloster angefangen und es hier in die Ecke gelegt.

Es war ein guter Tag.

Ich wünsche Euch einen schönen 3. Advent.

 

8 Gedanken zu „Tag 33

  1. Christine Deutsch Antworten

    Sind in Deinem Fanclub,lieber Götz, und lesen seit Kurzem am Abend Deine Einträge gemeinsam! „Einer“ liest vor und dann reden wir….

    • GoetzWache2018 Autor des BeitragsAntworten

      Ich habe die Bilder von Eurem schönen Zuhause vor Augen und stelle mir vor, wie Ihr gemeinsam seid. Ein schönes Bild.

  2. Guido Antworten

    Moin Götz,
    das mit der Technik aus der Hosentasche kenne ich
    Meine Frau + ich waren gerade auf einer Kreuzfahrt…da gibt es (zum Glück) auch Seetage ohne Handyempfang
    Erholung pur…..mit dieser Erkenntnis sind wir wieder von Bord gegangen
    Übrigens:
    Nach meiner Einschätzung hat Dir auch das langzeitige Telefonat nicht gut getan….danach hast Du die ganze Nacht nicht schlafen können.
    Mein Tipp:
    Mach Dich frei von solchen Einflüßen…..kannst Du momentan nun wirklich nicht gebrauchen
    Ich wünsche Dir, dass Du Deine innere Ruhe findest……dass Du nur DICH findest !!
    Herzliche Grüße
    Guido

    • GoetzWache2018 Autor des BeitragsAntworten

      Guido, unser Kontakt ist auch besonders. Wir kennen uns jetzt mehr als 18 Jahre, haben im Grunde kaum Berührungspunkte und doch nehmen wir teil am Leben des Anderen. Wie schön. Danke für Deine Gedanken zu mir.

  3. Regine Antworten

    Lieber Götz,

    welcome back. Hier hat es heute Nacht geschneit. Ich erlebe Schnee immer wie eine Decke. Alles bekommt für mich einen friedlichen Charakter und damit innere Ruhe. 👼Ich erlebe das Handy die meiste Zeit ebenfalls als Belastung. Rücke daher meine Nummer so selten wie möglich raus. Habe schließlich eine Festnetznummer mit AB. 😃 Bin sogar immer glücklich wenn ich es mal im Auto vergessen habe. Da wartet es dann geduldig bis zum nächsten Tag. 😊
    Du hast die super Fähigkeit mit Menschen und deiner Umgebung schnell und positiv in Kontakt zu kommen, leider ist man dadurch auch leicht wieder nicht bei sich. Aber ein so cleveres Kerlchen wie du findet den Weg. Bin ich ziemlich sicher und du bist ja noch eine Zeit unterwegs. Wäre doch langweilig wenn du schon am Ziel wärst.
    Dreifach Drücker zum dritten Advent 💫

    • GoetzWache2018 Autor des BeitragsAntworten

      Ich denke noch über mögliche Handlungsvarianten nach. Habe ja noch Zeit, wie Du ganz richtig bemerkst und bin noch nicht am Ziel. Wenn ich die mobilen Daten am Handy nur zweimal am Tag für jeweils 30 Minuten aktiviere… wie früher die Ladenöffnungszeiten… mal schauen.

  4. Guido Antworten

    Ach Götz….zu den beiden unfreundlichen Rentnern fällt mir noch ein:
    Da ist noch einiges, was Du aus dem Weg räumen solltest…ich sehe diese Situation symbolisch
    für eine Störung in Deinem Umfeld.
    Nur mal so…… (will ja kein Klugscheisser sein)

    • GoetzWache2018 Autor des BeitragsAntworten

      Wenn einer Lichtjahre davon entfernt ist, anderen gegenüber als Klugscheisser aufzutreten, dann Du! Deine Worte haben mich bewegt und ich habe mir erlaubt, ihnen einen Absatz im Beitrag von heute zu Tag 34 zu widmen.

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