Tag 35

Tag 35

Ich gehe davon aus, dass ich morgen wegen Geruchsbelästigung aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen werde. Türkei hin oder her. Nachdem Betty mich heute wieder am Appartement abgesetzt hat, habe ich mir eine ordentliche Portion Spaghetti aglio e olio gemacht. Ich brauchte was Deftiges. Eine kleine Chilli-Schote und eine ¾ Knolle Knoblauch auf 500 Gramm türkische Teigwaren. Wat mutt, dat mutt. Okay, die Brille beschlägt ein bisschen wenn ich ausatme, doch auch das hat durchaus seinen Reiz. Die Realität im Weichzeichner.

Durch meine Nudeln ist mir eine Geschichte aus dem Kloster wieder eingefallen, die ich seinerzeit eigentlich erzählen wollte, dann aber durch andere Erlebnisse drüber weggekommen bin. Nun also. Dass im Kloster Zwiebeln einfach geviertelt wurden und man sich dann ein oder mehrere Viertel zur Bohnensuppe auf den Teller getan und vernascht hat, habe ich schon berichtet. Mit Knoblauch wird sinngemäß gleich verfahren. Die Köchin legt eine Knolle auf den Tisch und die hungrigen Männer brechen sich eine Zehe ab. Die Haut der Zehe wird abgepult und die Zehe im Stück in den Mund gesteckt. Kauen, Aromaexplosion genießen, runterschlucken, fertig. Dann ein Löffel Suppe, kann alternativ auch direkt zum Knoblauch in den Mund gefüllt werden und den Vorgang beliebig oft wiederholen. Im Kloster Neamt bin ich hinter einem Mönch eine lange Treppe hinauf gegangen. Als er anfing, kräftiger zu atmen, hat es mir den Atem verschlagen. Auch wenn ich als Fan der südländischen Küche einiges gewöhnt bin, das war heftig. Als ich dann der Zeremonie erstmalig persönlich beiwohnen durfte, wurden mir die Zusammenhänge klar. Es gibt auch nur die Handlungsvariante „Mitmachen!“, sonst überstehst Du den Kontakt zu deinen Mitmenschen in den nächsten 24 Stunden nicht. Wichtige Regel nach der Infusion: Nicht aufstoßen! Da machste Dir kein Bild von… 🤣 🤣 🤣

Heute war Butter bei die Fische angesagt und um es gleich zu beichten: ich kriege die Nummer alleine nicht hin. Von Null auf Getriebereparatur überfordert mich, auch wenn ich immerhin bis 30% Zerlegung der Motor-/Getriebeeinheit gekommen bin. Alles wurde schon einmal zerlegt und auf sehr kreative Weise wieder zusammengebaut. Ich lese sehr gern Ephraim Kishon und habe früher immer bei seinen Beschreibungen israelischer Mechaniker geschmunzelt, die beim Zusammenbauen von zerlegten Teilen regelmäßig eine Schraube einsparen. Wenn die Israelis die Gesellen sind, war Fikrets türkischer Schrauber ein Meister im Einsparen. Vielleicht betreibt er inzwischen irgendwo in Istanbul einen schwunghaften Handel mit wenig gebrauchten Schrauben. Gott sei Dank hat Fikret Kontakt zu einem Mechaniker aufgenommen, der 15 Jahre Erfahrung mir Kymco-Quads haben soll und mit jeder Schraube per du ist. Vor allem soll er wissen, was routinemäßig von fabrikneuen Quads entfernt oder umkonstruiert wird, um sie dem fahrerischen Talent der arabisch/russischen Kundenklientel anzupassen. Da Fikrets gesamter Fuhrpark aus Quads von Kymco besteht, keimte bei mir wieder Hoffnung auf. Der Mann kommt heute oder morgen und schaut sich die ganze Sache an. Heute ist er nicht gekommen, also ganz sicher morgen. Dann trete ich demütig in den Stand des Handlangers und werde mir bei ihm was abschauen.

Kritisch schauen kann er schon…

Pause machen klappt jedoch schon ganz ordentlich. Da ich der einzige war, der zumindest Arbeit simuliert hat, habe auch nur ich von Betty eine Portion frische Waffeln mit Sahne, Brombeeren und etwas Zimt bekommen. Man beachte die stilsichere Präsentation mit Zylinderkopf im Hintergrund des Tisches.

Lecker.

Auch wenn man nicht schraubt, kann man die Zeit sinnvoll nutzen und helfen, die Seiten des Hallenvordachs mit Folie zu verkleiden. Wind- und Wetterschutz für Mensch und Tier. Nachts wird es für hiesige Verhältnisse doch schon frisch und so haben es die Hunde und der Nachtwächter angenehmer. Hat Spaß gemacht und als wir fertig waren, hatte es sich auch soweit zunächst abgeregnet.

Safety first! Arbeitssicherheit wird hier ganz groß geschrieben. 😉
Wer noch Kraft hat kann ja mit Holzhacken weitermachen.

Was war die Botschaft meines Tages, was habe ich gelernt? Künftig auf jeden Fall erst schauen und dann sagen, dass man was reißen kann. Ich weiß, dass in Indien in der Little Flower School die Elektrik in äußerst marodem Zustand ist. Kein Sterbenswörtchen, dass ich mal als Hilfsstrippenzieher gearbeitet habe, bevor ich nicht sicher bin, dass ich den Wahnsinn dort beherrsche. Frei nach Dieter Nuhr: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten…“

 

4 Gedanken zu „Tag 35

    • GoetzWache2018 Autor des BeitragsAntworten

      Was anderes… 🙂 so viel ist schon mal klar… 😉

      Liebste Sisa, sorry, aber bei der Vorlage konnte ich nicht anders. Eine Flasche Roter auf meine Kosten, versprochen, aber das war’s mir wert.

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