Tag 59

Tag 59

Beim Reading sagte Mario, dass ich quasi keine Eltern gehabt hätte. Mein Vater wäre irgendwie abwesend gewesen, hätte mir nichts gezeigt, aber auch nicht gestört. Meine Mutter sei im ersten Teil meines Lebens mächtig gewesen, hätte sich andererseits aber auch nicht viel um mich gekümmert und mich laufen lassen. Ich habe seine Worte in mir bewegt und stimme zu. Wenn ich mich auf den Kern meiner Jugend konzentriere, habe ich mir Eltern ausgesucht, die es mir ermöglicht haben, ohne elterlichen Einfluss aufzuwachsen und mein eigenes Ding zu machen. Mein Vater ist in diesem Jahr 46 Jahre tot, das Grab meiner Mutter ist vor mehr als zwei Jahren eingeebnet worden. Mit diesem zeitlichen Abstand und den Erkenntnissen dieser Reise komme ich zu dem Schluss, dass ich für meinen Weg mir die richtigen Eltern ausgesucht und Glück gehabt habe. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass meine beiden Schwestern zu völlig anderen Ergebnissen kommen und erwarte auch von ihrer Seite keine Zustimmung, hoffe nur auf Akzeptanz meiner Meinung. In meine Auseinandersetzung mit Marios Aussagen zu meinen Eltern hinein bekomme  ich von meinem Freund Jörg ein Hörbuch geschenkt. Andreas Altmann liest sein eigenes Buch vor. „Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend.“ Ich bin jetzt bei Kapitel 67 von 129 und eine perverse Neugierde, wahrscheinlich sogar eine perfide Lust am Leid eines anderen Menschen lässt mich in jeder freien Minute dieses Hörbuch hören. Gemessen an dem, was der Autor schon in der ersten Hälfte des Buches durchgemacht hat, war meine Jugend und meine Kindheit eine Aneinanderreihung von glückseligen Momenten. Alles eine Frage der Perspektive.

Mario hat auch einige bemerkenswerte Aussagen zu meiner zweiten Ehefrau gemacht. Davon angeregt, sind Gedanken zu ihrem ersten Ehemann und seiner Rolle während meiner Ehe mit ihr in Bewegung gekommen. Gestern habe ich mich hingesetzt und einen Abschiedsbrief an ihn geschrieben. Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass ich einmal Worte voller Dank an ihn richte und ihn einen Bruder nenne. Ich habe natürlich keine Ahnung, ob er mir im realen Leben inzwischen zustimmen würde oder ob er immer noch den Wunsch hat, mir die Fresse zu polieren. Er wird diesen Brief niemals erhalten, sowie auch alle anderen Abschiedsbriefe, die ich während dieser Reise inzwischen geschrieben habe, die sie betreffende Person niemals zu Gesicht bekommen wird. Für mich waren die Erkenntnisse über diesen Mann und unser Verhältnis zueinander tief bewegend und befriedend.

Maggie ist die rechte Hand von Rainer und Gisela hier. Sie hat es uns heute ermöglicht, an einer Kremation teilzunehmen. Ich kannte bisher natürlich das Wort Krematorium, dass der Akt der Verbrennung des Leichnams Kremation genannt wird, war mir fremd. Wir haben heute, ich habe heute an der Verbrennung des Leichnams eines Menschen nach den Riten des Bali Hinduismus teilgenommen. Das einzige was ich zum jetzigen Zeitpunkt dazu sagen kann ist, dass es mich tief bewegt. Der Umgang der Menschen hier mit dem Tod, die gelebte Parallelität zwischen der realen, der physischen, der greifbaren Welt und der spirituellen Welt ist so grundsätzlich unterschiedlich zu unserer christlich, abendländisch, westlich, industriellen Lebensweise, dass ich wohl noch eine ganze Weile brauchen werde, um das heute gesehene, das heute erlebte und das heute erfahrene in mich, in mein Leben und in meine Betrachtung des Lebens und des Todes zu integrieren.

Eigentlich ist die Yoga hier morgens um acht, doch da heute um 8:00 Uhr alle zur Feier waren, hat Doreen das Ganze auf 15:00 Uhr verlegt. Wir waren immerhin drei Teilnehmer und bei den drei Malen, die ich bisher anwesend war, war ich der Quotenmann. Früher hätte es mich befremdet, heute nehme ich die Rolle als gegeben an und stelle fest, dass ich mir a) wenn überhaupt, dann unter Yoga bisher etwas falsches vorgestellt habe und b) dass die Sache anfängt, mich zu begeistern. Zumal ich das Gefühl habe, dass ich mich für meine Verhältnisse gar nicht so untalentiert anstelle. Beim Yoga hat sich heute gezeigt, wie sehr ich mich selbst gezielt und genussvoll auf dieser Reise an Grenzen meiner Aufnahme- und Belastungsfähigkeit bringe. Ganz zum Schluss, als letztes vor dem gemeinsamen „Ommm“ macht Doreen mit uns eine Entspannungsübung. Ganz platt gesprochen: rumliegen und an nüscht denken. Mein Körper wollte heute nicht rumliegen, er wollte zittern, er wollte Stress abbauen, mein Körper hat eine TRE-Sitzung angemahnt. Als die anderen gegangen waren, habe ich mir und meinem Körper die Möglichkeit gegeben, über eine TRE-Sitzung Stress abzubauen. Es war die schönste Sitzung, die ich bisher erfahren habe. Ich habe gezittert, gezappelt, nicht gewunden, krampfartige Muskelkontraktionen zugelassen und war dabei aus tiefem Herzen glücklich. Ein wunderbares, Schweiß überströmtes Körpergefühl.

Danach zum Pavillon, den Healing Code sprechen. Bei den 16 Wiederholungen meines Healing Codes sind die Tränen geflossen. Ich darf einfach dankbar sein für das, was ich hier erlebe, was ich auf den anderen Stationen meiner Reise erlebt habe und für die unfassbaren Möglichkeiten, die Gott mir mit meinem Leben offeriert hat. Ich bete, dass ich die Erkenntnisse in Deutschland in praktisches Handeln umsetzen kann. Nach dem Healing Code habe ich die göttlichen Helfer in mein Leben eingeladen. Das mache ich jetzt jeden Tag, so hat Mario es mir gezeigt und beigebracht. Danach bin ich unter die Dusche gegangen und habe in meinem Freiluft Badezimmer meinen Körper voller Genuss gereinigt und mir das weiche warme balinesische Wasser über Haut und Haar laufen lassen. Nun stehe ich hier nackt in meinem Pavillon und spreche über mein Headset das, was mich heute bewegt, was ich heute sagen möchte in den Laptop. Was für ein großartiger Tag, was für eine großartige Zeit. Gleich gehe ich essen, nach dem Essen wird dieser Text als Beitrag hochgeladen und dann werde ich noch mit einem der wunderbaren Menschen hier ein schönes Gespräch führen. Danke.

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