Tag 6

Tag 6

Seitdem ich im Kloster bin, sind Menschen aus meiner Vergangenheit wieder aufgetaucht. Entweder übers Handy oder viel mehr noch in meinen Träumen. Sehr intensive, gefühlvolle Träume von Albtraum bis zur großen Liebe. In Vladiceni habe ich mir die Zeit genommen, über die Träume und die Menschen aus der Vergangenheit nachzudenken. Heute Nacht kam die Erkenntnis zu mir, mir die Vergangenheit von der Seele und aus dem Kopf zu schreiben.

Wer in ein neues Leben gehen will, muss das alte loslassen. Wenn Du noch mit einem Fuß in der Vergangenheit stehst, fehlt Dir ein Teil Deiner Kraft im Heute. So habe ich am Nachmittag einen sehr langen Brief an den Menschen aus der ältesten Vergangenheit geschrieben. In meine Kladde, denn er wird nie abgeschickt werden. Meine ganz subjektive Erinnerung kam auf’s Papier, meine Erwartungshaltung und Enttäuschung. In Worten, die ich immer nur gedacht habe und die ich aus Gründen der Rücksichtnahme oder der Feigheit nie ausgesprochen habe. Ein paar Tränen sind auch geflossen, denn es war wohl das allerletzte Mal, dass ich mit diesem Menschen gesprochen habe. Das Vorhaben ist, jeden Tag einen Brief an einen Menschen aus der Vergangenheit zu schreiben, wo noch unausgesprochenes in mir auf Aussprache wartet. Mal schauen, ob dieser Ort mit seiner Kraft diese Klärung fördert oder überflüssig macht.

Ich war gegen 18:30 Uhr noch mal im Innenhof. Es war bis auf eine Lampe stockfinster und totenstill. Eine klare, offene, weite und kraftvolle Stille, keine gedämpfte Stille, wie man sie manchmal bei Schnee oder Nebel hat. Besser kann ich es nicht beschreiben.

5 Gedanken zu „Tag 6

  1. Michael

    Mich beeindruckt Deine Offenheit. Sehr authentisch und nah. Und so wahr. Loslassen, nicht festhalten….

  2. Hubert Kerber

    Moin Götz,
    Deinen Entschluß, diese Reise anzutreten, finde ich großartig. Darum beneide ich Dich.
    Ich wünsche Dir alles Gute auf Deinem Trip, genieße die Eindrücke, finde zu Dir selbst und berichte weiter so intensiv und eindringlich wie bisher.
    Ich freue mich auf unser Wiedersehen im nächsten Jahr.
    LG Hubert

    • GoetzWache2018 Autor des Beitrags

      Moin Hubert,
      danke Dir für Deine Worte. Wir werden viel zu quatschen haben, wenn wir nächstes Jahr zusammen auf Tour gehen.

      Bis denne
      Götz

  3. Melanie Tressel

    Mensch Götz, ich beneide dich. Für mich Ist das Gegenteil der Fall, im Herbst und Winter muss ich die Ausfälle des Sommerlochs reinarbeiten und unterrichte neben dem normalen Tagesgeschäft am Wochenende Fortbildungen…
    Reisen und nicht nach der Uhr funktionieren müssen, herrlich!
    Eine großartige Entscheidung.
    Ich wünsche dir das Gefühl, geborgen zu sein im Großen Ganzen und die Erfahrung, geführt zu sein von etwas, das größer ist als unser angstorientierte kontrollierende Egopersönlichkeit.
    Gute Reise!
    Melanie

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